Geschrieben von Maurizio Di Bona
Gezeichnet von theHand
Vorwort von Giuliano Montaldo
edizioni Mimesis
ISBN 88-8483-328-0
preis 13 euro

* Zur Zeit ist das Buch nur in Italienischer Sprache verfügbar


Vorwort von Giuliano Montaldo

"dieser Scheiterhaufen läuft Gefahr für immer zu brennen"
Dies sind die Worte, die Kardinal Bellarmino vor den Mitgliedern des Inquisitionsgericht verlauten lies.
Seit diesem so lange zurückliegenden Februar des Jahres 1600 sind vier Jahrhunderte ins Land gegangen und wir reden immer noch über diesen Domenicanischen Frater aus Nola, über Girodano Bruno. Wir studieren immer noch seine Arbeiten, seinen heroischen Wahnsinn, wir bewundern seine Courage, wir versetzen uns in seine Sichtweise über grenzenlose Welten.
Was uns mehr fasziniert, ist die Gestalt des ketzerischen Eigensinns; doch es ist schwer ihm entlang seiner leidvollen Wege seines abenteuerlichen Lebens zu folgen.
Von Nola, seiner Heimatstadt, zum Konvent von San Domenico Maggiore in Neapel, wo er seine Zweifel über die Glaubenssätze zum Ausdruck brachte. Dann ein Auslandsexil in Mitte machtvoller Persönlichkeiten Europas auf der Suche nach einem unmöglichen Dialog.
Ich las mit Leidenschaft die Arbeit Maurizio Di Bonas und zolle seiner Kraft Beifall, in Jahren des hartnäckigen Kampfes sein Buch, so vielen Schwierigkeiten trotzend, zu vollenden.
Di Bona weiß genau, wer diejenigen sind, "die Angst haben vor Giordano Bruno". Tatsächlich schrieb er: "...jetzt begreife ich, wie dieses System seine Mechanismen herausgebildet hat, die einschlagen und jeden zermalen, der einen Blick hinter die Grenze des Erlaubten wirft..."
Gestern wie heute.
Die Idee, den letzten Akt des Lebens des Dominikaners aus Nola auf den Bildschirm zu bringen, wurde in einer regnerischen Nacht, um genau zu sein am Campo de'Fiori, geboren. Unter der Statue Giordano Brunos, unter ihren Regenschirmen, hörten einige junge Schüler ihrem Lehrer zu, der über die Arbeiten und das Leben des Philosophen erzählte. Ich näherte mich ihnen, um den Worten des Mannes, einem Franzosen, besser lauschen zu können. Was mich aber beeindruckte, waren die Gesichter der Leute, so gerührt und aufmerksam.
So kam mir der Gedanke einen Film zu verwirklichen. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich drei Jahre leiden werden müsste, bevor ich mit der Arbeit beginnen konnte.
Di Bona hat das Gesicht Gianmaria Volontès ausgewählt, um, mit Zeichnungen außergewöhnlicher Schönheit, das Leben des Philosophen zu veranschaulichen.
Gianmaria, dessen bin ich mir sicher, wäre stolz darauf.
Ich erinnere mich mit so viel Enthusiasmus und Leidenschaft an diesen unbezwingbaren Schauspieler, der vollständig in dieser schwierigen Rolle aufgegangen ist. Es war ein solch tiefes Gefühl ihn zu sehen, gebeugt und leidend in der Dominikaner Tracht, vor den purpurnen Richtern.
Der Buchautor sagte mir, dass er nach dem Zeichnen einer Reihe von Gesichtern und Profilen, das Gianmarias skizzierte und "der Charakter nahm Gestalt an, bewegte sich von selbst mit einer so beeindruckenden Macht". Das ist wahr! Diese Macht tritt aus den Illustrationen des Buches hervor.
Danke Di Bona für diese Arbeit, gewollt mit brunischer Hartnäckigkeit.


von kapitel1

Als ich mich vor fünf Jahren dazu entschied, ein Buch über Girodano Bruno zu schreiben, oder besser zu zeichnen, dachte ich nicht im Traum daran, dass ich am Ende nicht die Gedanken und das abenteuerliche Leben des Mannes aus Nola in Bildern erzählen würde, sondern dass ich stattdessen gegen meinen Willen dazu gezwungen werden würde, mein eigenes erfolgloses Abenteuer zu erzählen, indem ich dieses Projekt aus der Taufe hebe.
Um aufrichtig zu sein, eine Art Zeichen aus dem Unterbewusstsein erreichte mich im Dunkel der Träume und diesen zeitlosen Dimensionen, in denen wir uns alle manchmal selbst finden, ohne zu wissen, wie wir dorthin gekommen sind...
Aber ich nahm es zur Kenntnis und fuhr fort es zu ignorieren...
Wenn ich jetzt einen kurzen Blick auf die Arbeiten Unseres Philosophen werfe, auf all die Biographien die ich von überall hergeholt habe und auf den Berg an Zeichnungen und Skizzen, die sich in jeder Ecke meines Zimmers angesammelt haben, weiß ich nicht einmal, ob das Buch, das ich in meinem Kopf hatte (und immer noch habe), überhaupt noch die Möglichkeit erhalten wird, vollständig das Licht der Welt zu erblicken, so dass Sie es eines Tages durchblättern können...
oder ins Feuer werfen, wie Nachwuchsinquisitoren.
Der Grund für diesen Abbruch oder, wenn Sie wollen, die Änderung des Weges und der Intentionen, sind vielfältig. Manche von ihnen möchte ich auf diesen Seiten gar nicht näher ausführen.
Alleine daran zurück zu denken, verärgert mich...
Ich ziehe es stattdessen vor den Gemütszustand darzulegen, der zu dieser Entscheidung geführt hat, indem ich einfach die Worte Giordano Brunos zitiere. Die desjenigen auf dem Bildschirm, der zu den Kardinalen spricht, die vergeblich auf seine letzte Entsagung warten:

    Als ich sagte, dass meine Philosophie eine freie Suche
    und kein Glaubenssatz ist, war es kein Fehler.
    Ich lag falsch, als ich geglaubt habe, die Situation des
    Menschens mit Hilfe dieses oder jenes Fürsten zu reformieren.
    Ich habe alle meiner Versuche gesehen:
    Henry III von Frankreich, Blut!
    Elisabeth von England, Blut!
    Rodolfo von Agsburgh, Blut!
    Und selbst der Monarch, der erklärt, er sitze höher als
    jeder andere, aber den ich heute Abend nicht in diesem Raum sehe, Blut!
    Welch Demütigung!
    Die fragen, die die Macht haben, um die Macht zu reformieren!?
    Welch Demütigung!
    Ihr wolltet mein Bekenntnis und nun bekommt ihr es.
    Es ist das Bekenntnis einer Niederlage.*


Auch in meinem Falle handelt es sich um eine Niederlage; nicht so heldenhaft und ertragreich, wie die Brunos, wie Sie sehen, doch eine Kapitulation, die mich jetzt die zerbrechlichen mit Tinte beschmutzten Waffen niederlegen lässt, aber die für den, der hier schreibt, den Wert eines exemplorum vis hat. Ich gebe es zu. Ich habe die Aktivitäten der "Zensur" unterschätzt, die sich im Laufe der Zeit so sehr "weiterentwickelt" haben, dass sie so unsichtbar geworden sind, wie das Objekt, auf dem ihre stille Hand aus schwarzem Samt ruht. Erst jetzt begreife ich, wie dieses System seine Mechanismen herausgebildet hat, die einschlagen und jeden zermalen, der einen Blick hinter die Grenze des Erlaubten wirft, bis zur Vernichtung aller Gebaren und Intentionen; nicht mehr angewiesen auf externe Interventionen, zwanghaft oder blutig, wie vier Jahrhunderte zuvor.
Alles basiert auf Selbstbestimmung, aus Trägheit, aus dem Wunsch nach einem ruhigem Leben.
Es scheint, als hätte ich mich mit etwas nicht Greifbarem eingelassen; wie bei diesen japanischen Maschinen, die bei einem Störfall eine Vorrichtung aktivieren, um das Problem zu lösen und die normale Funktion des internen Systems blitzartig wiederherzustellen, sodass es von außen kein Verständnis für das, was wirklich geschehen ist, erlaubt.

                                                                                       [Maurizio Di Bona]

* aus dem Originaldrehbuch zu Giordano Bruno von Giuliano Montaldo (1973)